Aus der Unendlichkeit und noch viel weiter hat sich Bonne von Bourbon extra bei uns gemeldet. Nach dem skandalträchtigen Interview, das uns ihre Schwiegertochter Bonne von Berry gegeben hat, möchte die Gräfin nun ihre Version der Geschichte präsentieren. Exklusiv teilt sie ihr Geheimnis mit uns: Nachkommen gebären und als Frau im Mittelalter regieren…
Aufgezeichnet von Lise Leyvraz Dorier / Übersetzung Mirjam Grob

Richtig. Ich weiss, was euch meine Schwiegertochter erzählt hat. Seit 600 Jahren verbreitet sie schon diese verleumderischen Beschimpfungen gegen mich und ruft es von allen Erkertürmchen…
Der Arzt meines geliebten Sohnes habe unter Folter gestanden, das ich die Vergiftung meines Sohnes angeordnet habe. Was für ein Quatsch! Glauben Sie das etwa? Es steht die Aussage eines Gauners, der aus Savoyen fliehen wollte, gegen diejenige einer Vorzeigemutter…
Die Wahrheit ist, dass meine Schwiegertochter eifersüchtig auf mich war und das aus gutem Grunde! Das junge Fräulein wollte alles revolutionieren… die Ärmste! Ich hatte beinahe Mitleid mit ihr.
Aber wenn wir jetzt über spannendere Themen sprechen könnten… meine Regentschaften beispielsweise….

Natürlich, wer hat schon daran gezweifelt? Pff… Wobei ich sagen muss, dass Bonne und ich am Anfang ziemlich gut miteinander ausgekommen sind, vor allem im Schloss Chillon: bei einem feinen Glas Clos de Chillon im Holzzimmer, das den savoyischen Frauen vorbehalten war, oder beim Beten in der Kapelle des Hl. Georgs…
Dann kam die Eifersucht und das Drama:

Ja, das waren meine zwei Aufgaben auf der Erde. Erstens sind mein Ehemann Amadeus VI. von Savoyen und ich ungefähr ein Jahr nach unserer Heirat – die 1355 prunkvoll gefeiert wurde – zur Abtei Saint-Claude gereist, um die Geburt unseres ersten Kindes zu beschleunigen. Zweitens habe ich die Initiative ergriffen, eine Wachsstatue von mir erstellen zu lassen, die als Opferangabe an die Heilige Jungfrau in der Kathedrale von Lausanne aufgestellt wurde. Sie hat natürlich göttlich dabei geholfen, dass ich einen männlichen Erben erhielt. Drittens hat mir mein Ehemann die Zügel des Reiches überlassen, um Kriege zu führen und mehrmals unseren Alliierten zu Hilfe zu eilen, wie 1366 dem Byzantinischen Reich gegen die Ottomanen.
Ach ja, wir haben stellvertretend geheiratet und dann bin ich zu meinem Mann nach Le Pont-de-Veyle gezogen… Wir waren zweifellos die Besten. Unsere Spitznamen drücken das aus „Der grüne Graf“ und „Die große Dame“. Wenn Sie sich mein Kleid ansehen, ist es das perfekte Bindeglied zwischen unseren beiden verbündeten Familien: den Savoyern und den Bourbonen.
Wenn es sein muss. Na ja, das Übliche halt: ein Bad mit Rosenblättern, Rosmarinessenzen und Orangenschalen, Lavendel- und Jasminsalben, Harfenmusik… Musik besänftigt und stärkt die Seele… Ich verrate Ihnen sogar ein kleines Geheimnis: Ich war es, die dieses himmlische Musikinstrumente in Savoyen zum Erfolg verholfen habe. Dann das Frisieren der Haare mit meinem Lieblingskamm und das Zähneputzen. Das Ganze natürlich von meinen Hofdamen verrichtet.
Ausserdem noch das tägliche Gebet. Aber keine Sonnengrüsse.
Ja, ich war eine konstante Inspirationsquelle. Falls Sie einen Beweis wollen: mein Porträt oder besser gesagt meine Porträts. Das ist der erste Karussell-Post der Instagramgesichte… Ich bin eine Vorreiterin oder eine Pionierin… wie diese Botschafterinnen-Instagrammerinnen-Vloggerinnen eurer Zeit, die sich die ganze Zeit zeigen und sich nie entscheiden wollen, welches Bild sie behalten wollen. In meinem Fall waren es die Künstler, die meine so göttlichen Züge darstellten und mehrere Versionen davon erstellten, sogar nach meinem Tod.
Ob sie mir Blumen brachten? Entscheiden Sie selbst…
Ich denke mir das alles übrigens nicht aus. Sie haben ja selber mein Gesicht für den Avatar des Chatbots auf Ihrer Website gewählt! Ich war schon immer ein Aushängeschild und werde es auch bleiben…
Interview, das hauptsächlich auf der wissenschaftlichen Publikation: Vies de princesses ? Les femmes de la Maison de Savoie (XIIIe-XVIe siècle).