Einige der schönsten Möbelstücke verdankt das Schloss Ernest Burnat (1833-1922), einem Architekten aus Vevey, der 1889 als Konservator die Akquisitionsstrategie der Vereinigung prägte. Sein Glanzstück war zweifellos der Kauf einer Truhe des schwäbischen Möbelschreiners Alexander Mayer, der Ende des 17. Jahrhunderts im Wallis mehrere seiner Meisterwerke herstellte.
Corinne CHARLESet Claude VEUILLET, Coffres et coffrets du Moyen Âge dans les collections du Musée d’histoires du Valais, Aoste : Musumeci SpA, 2012.
Claire HUGUENIN, Patrimoine en stock : les collections de Chillon, Lausanne : IRL, 2010.
Denis BERTHOLET, Olivier FEIHL et Claire HUGUENIN, Autour de Chillon : archéologie et restauration au début du siècle, Ecublens : DIP SA, 1998.
Die Legende besagt, dass er die Stadt Silene (Libyen) von einem geflügelten Monster, einer Allegorie des Teufels, befreite.
Der Heilige, Schutzpatron der Ritter, ist nach den stilistischen Regeln des 15. Jahrhunderts gefertigt: Er steht auf dem Bauch des Drachens, ist bartlos und trägt eine Rüstung, die Harnisch genannt wird. Sein Schild ist mit einem Kreuz verziert und in der rechten Hand hielt er vermutlich eine Lanze.
Die Herkunft der Skulptur ist vollkommen unbekannt. Sie wurde jedoch hergestellt, um von vorne betrachtet zu werden, denn die Hinterseite und die rechte und linke Seite sind nicht verziert. Der Heilige blickt nach unten, was denken lässt, dass die Skulptur sich in der Höhe befand. Kleine, verschiedenfarbige Fragmente sind auf dem Gesicht und der Rüstung auszumachen: Rot, Schwarz, Silber und Gold.

ORT
Schlosskapelle, Raum Nr. 24
Saint Georges terrassant le dragon
1480-1500
tilleul
MCAHL
inv : CH 135 bis
1902 gab die Technische Kommission des Schlosses den Auftrag, in diesem Saal Ausgrabungen durchzuführen. Diese Arbeiten, die unter der Leitung des Archäologen Albert Naef stattfanden, erlaubten es, den Bau dieses Gebäudeteils auf 1260-1270 festzulegen. Es wurden dabei keine früheren Wandmalereien gefunden als aus dem 16. Jahrhundert.
Albert Naef entschied, dem Saal seine frühere Pracht zurückzugeben und ihn nach mittelalterlicher Art mit Stoffen zu dekorieren. Ernest Correvin, Maler und Restaurator, entwarf einen Wandteppich. Dieser war von den Motiven eines Altarantependiums aus dem 13. Jh. inspiriert, das sich in der Stadtkirche St. Mauritius in Thun befand: mehrere Medaillons, in denen sich vier Evangelistensymbole sowie acht Fabelwesen befinden.
ORT
Saal des Kastellans
Der Wachturm von Chillon befindet sich neben dem Schlosseingang und beherbergt ganz oben eine Glocke aus dem 16. Jahrhundert, die mit dem benachbarten Uhrwerk verbunden war. 2013 wurde die Glocke, deren Restaurierung schon länger zurück liegt, von einem Fachmann untersucht.

Cloce de la tour de garde.
XVIe siècle
ORT
Wachtturm, Raum 39
Dieser Automat, der gemeinsam vom Kantonalen Museum für Archäologie und Geschichte von Lausanne und der Schloss-Chillon-Stiftung erworben wurde, zeigt das Schloss vor den archäologischen Ausgrabungskampagnen und Restaurierungen der 1890er Jahre. Er ist in der Regel im Museum, in der Sektion „Waadtländer Geschichte“, ausgestellt. Alle zwei bis drei Jahre kommt der Automat jedoch is Schloss verlegt, wo er für einige Monate im Wappensaal zu sehen ist.
Dieser aussergewöhnliche Automat wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Waadtländer Uhrmacher Edouard-Gabriel Wüthrich hergestellt. Wie viele seiner Zeitgenossen liess sich der Künstler von Lord Byrons Gedicht Der Gefangene von Chillon inspirieren und illustrierte mit dem Automaten die Gefangenschaft des Genfer Gefangenen François Bonivard.
Der Automat wurde ursprünglich auf einem Wagen ausgestellt und konnte so bequem von Stadt zu Stadt gebracht werden. Er wurde unter anderem auf dem Beaulieu-Platz in Lausanne und an der Waadtländer Kantonsausstellung von 1894 in Yverdon gezeigt.

ORT
Kantonales Museum für Archäologie und Geschichte, Lausanne
Edouard-Gabriel Wüthrich (1865 ?-1927)
Le Château de Chillon
Fin du XIXe siècle
Zinc sablé, cuivre et bois
Musée Cantonal d’Archéologie & d’Histoire, Lausanne
HIS16/007
Bei den Ausgrabungen im Schloss Chillon ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Fragmente von Öfen aus glasierten und geprägten Kacheln, die teilweise aus dem 14. Jahrhundert stammen, gefunden. Gleichzeitig wurden mehrere vollständige Kachelöfen – verschiedener Art und Herkunft – erworben, um das Schloss auszustatten. Dieser aussergewöhnliche Ofen befindet sich seit 1888 in der Sammlung. Zuvor stand er mehr als zwei Jahrhunderte im Rathaus von Lutry.
Der Ofen wurde 1602 zur Beheizung des Stadtratssaals erbaut und besteht aus einem Nialin-Steinkörper und einem mit Kacheln besetzten Turm. Seine Herstellung ist besonders gut dokumentiert, da die Namen des Maurers und des Töpfers, die an ihm gearbeitet haben, bekannt sind: Amaudruz de Lutry und Henri Baud, ein Freiburger.
Der schwer beschädigte Ofen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in einen Nebenraum des Rathauses verbannt; in Fachkreisen war seine historische Bedeutung jedoch unbestritten und so wurde er 1888 von der Vereinigung für die Restaurierung von Schloss Chillon erworben. Zuerst befand er sich fünfzig Jahre lang im Speisesaal des Kastellans, bevor er in die Camera Nova versetzt wurde, als diese für die Vorstandssitzungen des Vereins neu hergerichtet wurde. Der Ofenbauer Marius Grognuz stattete ihn bei dieser Gelegenheit mit einem gusseisernen Wärmespeicher im Turm und Warmluftaustritten aus.

Poêle aux armes de Lutry
1602
Pierre de Nialin et catelles glaçurées
MCAH
Inv. CH 402
ORT
Räum Nr.22
Dieses Möbelstück wurde 1691 vom Holzschnitzer Alexandre Mayer hergestellt. Die Qualität der Schnitzereien zeugt davon, dass es sich um ein dekoratives Möbelstück handelt, daher die Bezeichnung „Prunkkoffer“. Er war zudem dazu bestimmt, immer am gleichen Ort zu bleiben, nicht wie die Truhen mit gebogenem Deckel, die als Gepäck dienten.
Ab 1888 erstand Ernest Burnat (1833-1922), Architekt und Mitglied der Technischen Kommission, mehrere historische Objekte für das Schloss Chillon. Zu seiner Sammlung gehören zwei Möbelstücke aus dem 17. Jh.: ein Aargauer Sessel und dieser Walliser Koffer.
Mehrere stilistische Elemente erlauben es, letzteren der Werkstatt von Alexandre Mayer zuzuordnen. Dazu gehören insbesondere die drei Rahmen aus Flammen, die typisch sind für den Schnitzer. Dieser stammte ursprünglich aus Schwaben, arbeitete und lebte aber zuerst in Broc und zog dann ins Walliser Chablais. Die Familienwappen und Initialen des Gouverneurs Joseph Jost und seiner Ehefrau Marie Schwick zeigen jedoch, dass das Möbelstück für die Stadt Monthey bestimmt war. Alexandre Mayer stellte mehrere Prunkkoffer für die Gouverneure der Stadt her, wovon fünf noch heute bestehen.
Coffre d’apparat
1691
Monthey
noyer
MCAHL
inv : CH 168
ORT
Aula nova, Raum Nr. 14
Das Schloss Chillon, ein außergewöhnliches Kulturerbe, zeigt auf seinem Rundgang fast dreihundert Objekte. Mit Ausnahme der Möbel, Waffen und Rüstungen stammen alle ausgestellten Objekte aus den archäologischen Ausgrabungen, die zwischen 1896 und 1903 im Schloss durchgeführt wurden.
Um Ihr Wissen über das Denkmal und seine historischen Exponate zu vertiefen, laden wir Sie ein, an unserem Quiz teilzunehmen.
Wieso das neue Jahr nicht mit einem Winterausflug ins Schloss beginnen? In der Nebensaison hat das historische Bauwerk seinen ganz eigenen Charme.