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2 Juli 2026

Die Sammlungen von Chillon #3 Archäologische Fundstücke

Das Schloss Chillon ist ein aussergewöhnlich gut erhaltenes Kulturdenkmal, das auf seinem Besuchsrundgang rund dreihundert Objekte zeigt. Abgesehen von den Möbelstücken, Waffen und Rüstungen wurden alle ausgestellten Objekte während der Ausgrabungen von 1896 bis 1903 gefunden. Die Sammlungen gehören dem Waadtländer Museum für Archäologie und Geschichte, wo sie den Namen „Fonds Chillon“ tragen.

Auf dem Besucherrundgang sehen Sie Vitrinen, in denen Gegenstände ausgestellt sind, die während der Ausgrabungen Ende des 19. Jh. entdeckt wurden.

Diese Objekte illustrieren den Alltag in einem mittelalterlichen Schloss und sind die Grundlage verschiedener thematischer Erklärungen. Es handelt sich um Geschirr, Reliquiare, Geld, Schlösser, aber auch Kinderspielzeug.

Ab 1896 wurden in Chillon grossangelegte archäologische Untersuchungen unter der Leitung von Albert Naef (1862-1936), dem Schlossarchitekten und zukünftigen Waadtländer Kantonsarchäologen, durchgeführt. Alle Mauern, Böden, Holzböden, aber auch die Höfe und der Schlossgraben, der dafür 1903 trockengelegt wurde, wurden systematisch unter die Lupe genommen.

Es wurden hunderte von Gegenständen gefunden: Lanzen, Pfeile, Nägel, Fayence-Teller, Tongefässe, Näpfe, Messer, mehrfarbige Dekorationsstücke, Reliquiare, Gläser, Holzkämme, Münzen, Spielzeug, Lederschuhe, Ofenkacheln, Leisten, Schwerter… Diese Objekte, die manchmal nur aus einfachen Fragmenten bestehen, stellen einen wichtigen Teil der Sammlungen dar. Naef schenkte ihnen besondere Aufmerksamkeit, da sie ihm erlaubten, die Geschichte des Schlosses Schritt für Schritt zu rekonstruieren. Er etikettierte alles genaustens und teilte die Gegenstände in zwei Kategorien ein: das Steinmuseum (architektonische Fragmente, Abgüsse und Ziegel) und das Fundstückmuseum (Gegenstände jeglicher Art).

1925 wurden mehrere der Fundstücke ins Dachgeschoss des Schlosses gebracht, wo schon einige Möbelstücke untergebracht waren. Nur ein kleiner Teil wurde ausgestellt, zuerst in der Aula nova, dann im Domus clericorum. Diese Sammlung wurde 1991 ins kantonale Lager in Lucens gebracht, nachdem ein umfassendes Inventar erstellt worden war. Die Sammlung besteht aus rund viertausend Stücken.

Als 2008 der neue Besucherrundgang vorbereitet wurde, wurde eine neue Auswahl vorgenommen. Mehrere Dutzend Gegenstände fanden nun ihren Platz im Schloss.

Sous la direction de Lionel PERNET, Révéler les invisibles : Collections du Musée cantonal d’archéologie et d’histoire de Lausanne. 1852-2015, Gollion : Infolio Editions, 2017
Catherine KULLING, Catelles et poêles du Pays de Vaud du 14eau début du 18esiècle : château de Chillon et autres provenances, Lausanne : Swissprinters IRL, 2010.
Claire HUGUENIN, Patrimoine en stock : les collections de Chillon, Lausanne : IRL, 2010. Sous la responsabilité de Denis BERTHOLET, Olivier FEIHL et Claire HUGUENIN, Autour de Chillon : archéologie et restauration au début du siècle, Ecublens : DIP SA, 1998.

Knochenreliquiar aus der Krypta

Bei Ausgrabungen im ersten Hof wurde 1897 die Krypta einer ursprünglichen Kapelle entdeckt, die der Burg und ihrem Dorf diente (Raum Nr. 10). Im Altar finden Forscher unter der Leitung des ersten Archäologen des Kantons Waadt, Albert Naef, die Fragmente eines Reliquiars. Das Gefäss selbst enthält eine Reliquie, ein kleines Stück Schulterblatt, das dem Heiligen Triphon, dem Schutzpatron der Krypta, zugeschrieben wird.

Das Reliquiar hat in den Augen der Forscher grosse Bedeutung. Um sie zu rekonstruieren, versuchen sie, die ursprüngliche Kapelle genauer zu datieren. Sie wurde im 13. Jahrhundert aufgegeben und zugeschüttet, als der Eingangsturm gebaut und im dritten Innenhof eine neue Kapelle geweiht wurde. Seit anfang des 20. Jahrhunderts wird auf dem ersten Schlosshof mit andersfarbigen Pflastersteinen gezeigt, wo sich die erste Kapelle des Schlosses befand.

1914 wurden drei Faksimiles des Behälters hergestellt, mit denen Montagehypothesen getestet wurden. Die Platten, aus denen sie bestehen, sind auf einer Holzstruktur befestigt, wie die Originalfragmente.
Die Form des Reliquiars und seine ornamentalen Motive liessen die Forscher das Reliquiar zuerst in der karolingischen Zeit verorten. Sie glaubten daher, dass die Kapelle und die Krypta aus der Zeit zwischen Ende des 9. Jahrhunderts und Beginn des 10. Jahrhunderts stammte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde diese Schätzung jedoch revidiert. Heute nimmt man an, das Reliquiar stamme aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, die Krypta selbst sei etwa zwei Jahrhunderte jünger als vorher angenommen. Das den Besuchenden heute im Schloss gezeigte Reliquiar ist eines der Faksimilien von 1914.

Reliquaire en os de la crypte (facsimilé)
1914
Résine sur âme de bois
Musée cantonale d’archéologie et d’histoire (Lausanne)
PM/4122

ORT
Frühere Kapelle, Raum Nr. 10

Mittelalterliche Münzen

Archäologische Ausgrabungen, die der Archäologe Albert Naef Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt hat, legten Hunderte von archäologischen Objekten frei, darunter fast sechshundertachtzig Münzen. 1909 wurde im Bergfried ein echter Schatz aus dem 13. bis 14. Jahrhundert entdeckt.

Diese Zeugen der Vergangenheit sind eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte der Burg; sie zeigen das Ausmass des Geldumlaufs in Chillon und ganz allgemein auf der Via Francigena, dem Strassennetz, das von der Römerzeit bis zum Mittelalter Frankreich mit Italien verbindet.

Die entdeckten Münzen entsprechen in etwa mit der Geschichte des Hauses Savoyen im Waadtland; die erste Erwähnung des Schlosses geht auf das Jahr 1150 zurück, und die Münzserie beginnt mit einem Pfennig von Humbert II. von Savoyen (Graf von 1094 bis 1103). Albert Naef entdeckte auch viele Münzen, die in Fürstentümern oder Städten wie Asti, Paris, Lyon oder Marseille geprägt wurden. Sie zeigen, wie viel verschiedenes Geld an Chillon vorbeikam, diesem strategischen Ort zwischen Berg und See.

Mautgebühren, Märkte und Messen brachten dem Haus Savoyen erhebliche Vorteile. Die Gründung des Dorfes Villeneuve – der Neustadt von Chillon – durch Graf Thomas I. im Jahr 1214 resultierte aus dieser Strategie und der Notwendigkeit, die örtliche Maut, die zu hoch geworden war, um von der Burg aus verwaltet zu werden, einzutreiben. Die Stadt wurde schnell zu einer obligatorischen Durchgangsstation für die reichen italienischen Kaufleute, die zu den berühmten Messen in der Champagne gingen.

Neben der Entdeckung des Bergfrieds fand Albert Naef in mehreren anderen Teilen des Schlosses Münzsätze. Diese spiegeln meist die Aktivität des Ortes wider, an dem sie sich befanden, wie im Falle der fünfhundertsieben runden Kupferplatten, die aus dem Domus clericorum stammen; im „Haus der Schreiber“ befand sich das Verwaltungszentrum des Schloss Chillon.Die neun Savoyer Münzen, die von Ende des 11. bis Ende des 15. Jahrhunderts in Werkstätten in der Ferne geprägt wurden – Turin, Susa, Chambéry, Annecy, Cornavin, Bourg und Nyon – zeigen die starke geografische und politische Expansion des Hauses Savoyen im Mittelalter.

Diese Münzen, die vom Waadtänder Kantonalen Museum für Archäologie und Geschichte ausgeliehen wurden, waren vom 14. September 2018 bis am 28. April 2019 im Rahmen der Sonderausstellung Lecker! Essen und Trinken im Mittelalter im Schloss Chillon ausgestellt.

ORT
Aula Nova, Raum Nr. 14

Monnaies médiévales
XIIe-XVe siècles
Plomb
Musée Cantonal d’Archéologie & d’Histoire, Lausanne
PM72576, PM/2578, PM/2579, PM/2580, PM/2581, PM/2587, PM/2589

Fragmente von mittelalterlichen Krügen und Becher

Bei archäologischen Ausgrabungen, die er Anfang des 20. Jahrhunderts im Schloss Chillon durchführte, entdeckte der waadtländische Archäologe Albert Naef die Fragmente zahlreicher Trinkgefässe. Die meisten von ihnen stammen aus dem Mittelalter.

Die gefundenen Fragmente bestehen aus verschiedenen Materialien, hauptsächlich jedoch aus Keramik. Einige typische Elemente – wie zum Beispiel die Form – ermöglichen es uns, sie auf das 13. Jahrhundert zu datieren. 1904 liess Albert Naef  aus mehreren Fragmenten einen Krug rekonstruieren. Er entdeckte auch Nuppenbecher, benannt nach den kleinen Scheiben, die in regelmässigen Abständen entlang des Glasfasses angebracht wurden. Diese Art von Trinkglas wurde in Ostfrankreich, Süddeutschland und der Schweiz zwischen dem Ende des 13. Jahrhunderts und dem Beginn des 14.
Jahrhunderts verwendet. Sie ersetzten die Krüge als Trinkgefässe und zeigten eine neue Entwicklung der Sitten: man will nun die Flüssigkeit vor dem Trinken sehen können. Diese eleganten Becher wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts durch so genannte „Strangengläser“ ersetzt, um deren Fuss spiralförmig ein Glasstrang gewickelt ist.

ORT
Saal des Kastellans, Raum Nr. 13

Pichet (reconstitution)
XIIIe siècle
Céramique
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/4182

Fragments de pichet
XIIIe siècle
Céramique
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/0064 ab, PM/0065 ab, PM/0066, PM/0076

Gobelets à pastilles
XIIIe-XIVe siècles
Verre
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/1251 ab, PM/1284, PM/1287, PM/1371, PM/1377

Gobelets type « Strangenglas »
XIVe-XVe siècles
Verre
Musée cantonale d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/1142, PM/1282

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