Auf dem Besucherrundgang sehen Sie Vitrinen, in denen Gegenstände ausgestellt sind, die während der Ausgrabungen Ende des 19. Jh. entdeckt wurden.
Diese Objekte illustrieren den Alltag in einem mittelalterlichen Schloss und sind die Grundlage verschiedener thematischer Erklärungen. Es handelt sich um Geschirr, Reliquiare, Geld, Schlösser, aber auch Kinderspielzeug.
Ab 1896 wurden in Chillon grossangelegte archäologische Untersuchungen unter der Leitung von Albert Naef (1862-1936), dem Schlossarchitekten und zukünftigen Waadtländer Kantonsarchäologen, durchgeführt. Alle Mauern, Böden, Holzböden, aber auch die Höfe und der Schlossgraben, der dafür 1903 trockengelegt wurde, wurden systematisch unter die Lupe genommen.
Es wurden hunderte von Gegenständen gefunden: Lanzen, Pfeile, Nägel, Fayence-Teller, Tongefässe, Näpfe, Messer, mehrfarbige Dekorationsstücke, Reliquiare, Gläser, Holzkämme, Münzen, Spielzeug, Lederschuhe, Ofenkacheln, Leisten, Schwerter… Diese Objekte, die manchmal nur aus einfachen Fragmenten bestehen, stellen einen wichtigen Teil der Sammlungen dar. Naef schenkte ihnen besondere Aufmerksamkeit, da sie ihm erlaubten, die Geschichte des Schlosses Schritt für Schritt zu rekonstruieren. Er etikettierte alles genaustens und teilte die Gegenstände in zwei Kategorien ein: das Steinmuseum (architektonische Fragmente, Abgüsse und Ziegel) und das Fundstückmuseum (Gegenstände jeglicher Art).
1925 wurden mehrere der Fundstücke ins Dachgeschoss des Schlosses gebracht, wo schon einige Möbelstücke untergebracht waren. Nur ein kleiner Teil wurde ausgestellt, zuerst in der Aula nova, dann im Domus clericorum. Diese Sammlung wurde 1991 ins kantonale Lager in Lucens gebracht, nachdem ein umfassendes Inventar erstellt worden war. Die Sammlung besteht aus rund viertausend Stücken.
Als 2008 der neue Besucherrundgang vorbereitet wurde, wurde eine neue Auswahl vorgenommen. Mehrere Dutzend Gegenstände fanden nun ihren Platz im Schloss.
Sous la direction de Lionel PERNET, Révéler les invisibles : Collections du Musée cantonal d’archéologie et d’histoire de Lausanne. 1852-2015, Gollion : Infolio Editions, 2017
Catherine KULLING, Catelles et poêles du Pays de Vaud du 14eau début du 18esiècle : château de Chillon et autres provenances, Lausanne : Swissprinters IRL, 2010.
Claire HUGUENIN, Patrimoine en stock : les collections de Chillon, Lausanne : IRL, 2010. Sous la responsabilité de Denis BERTHOLET, Olivier FEIHL et Claire HUGUENIN, Autour de Chillon : archéologie et restauration au début du siècle, Ecublens : DIP SA, 1998.
Bei Ausgrabungen im ersten Hof wurde 1897 die Krypta einer ursprünglichen Kapelle entdeckt, die der Burg und ihrem Dorf diente (Raum Nr. 10). Im Altar finden Forscher unter der Leitung des ersten Archäologen des Kantons Waadt, Albert Naef, die Fragmente eines Reliquiars. Das Gefäss selbst enthält eine Reliquie, ein kleines Stück Schulterblatt, das dem Heiligen Triphon, dem Schutzpatron der Krypta, zugeschrieben wird.
Das Reliquiar hat in den Augen der Forscher grosse Bedeutung. Um sie zu rekonstruieren, versuchen sie, die ursprüngliche Kapelle genauer zu datieren. Sie wurde im 13. Jahrhundert aufgegeben und zugeschüttet, als der Eingangsturm gebaut und im dritten Innenhof eine neue Kapelle geweiht wurde. Seit anfang des 20. Jahrhunderts wird auf dem ersten Schlosshof mit andersfarbigen Pflastersteinen gezeigt, wo sich die erste Kapelle des Schlosses befand.

Reliquaire en os de la crypte (facsimilé)
1914
Résine sur âme de bois
Musée cantonale d’archéologie et d’histoire (Lausanne)
PM/4122
ORT
Frühere Kapelle, Raum Nr. 10
Diese Zeugen der Vergangenheit sind eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte der Burg; sie zeigen das Ausmass des Geldumlaufs in Chillon und ganz allgemein auf der Via Francigena, dem Strassennetz, das von der Römerzeit bis zum Mittelalter Frankreich mit Italien verbindet.
Die entdeckten Münzen entsprechen in etwa mit der Geschichte des Hauses Savoyen im Waadtland; die erste Erwähnung des Schlosses geht auf das Jahr 1150 zurück, und die Münzserie beginnt mit einem Pfennig von Humbert II. von Savoyen (Graf von 1094 bis 1103). Albert Naef entdeckte auch viele Münzen, die in Fürstentümern oder Städten wie Asti, Paris, Lyon oder Marseille geprägt wurden. Sie zeigen, wie viel verschiedenes Geld an Chillon vorbeikam, diesem strategischen Ort zwischen Berg und See.
Neben der Entdeckung des Bergfrieds fand Albert Naef in mehreren anderen Teilen des Schlosses Münzsätze. Diese spiegeln meist die Aktivität des Ortes wider, an dem sie sich befanden, wie im Falle der fünfhundertsieben runden Kupferplatten, die aus dem Domus clericorum stammen; im „Haus der Schreiber“ befand sich das Verwaltungszentrum des Schloss Chillon.Die neun Savoyer Münzen, die von Ende des 11. bis Ende des 15. Jahrhunderts in Werkstätten in der Ferne geprägt wurden – Turin, Susa, Chambéry, Annecy, Cornavin, Bourg und Nyon – zeigen die starke geografische und politische Expansion des Hauses Savoyen im Mittelalter.

ORT
Aula Nova, Raum Nr. 14
Monnaies médiévales
XIIe-XVe siècles
Plomb
Musée Cantonal d’Archéologie & d’Histoire, Lausanne
PM72576, PM/2578, PM/2579, PM/2580, PM/2581, PM/2587, PM/2589
Bei archäologischen Ausgrabungen, die er Anfang des 20. Jahrhunderts im Schloss Chillon durchführte, entdeckte der waadtländische Archäologe Albert Naef die Fragmente zahlreicher Trinkgefässe. Die meisten von ihnen stammen aus dem Mittelalter.

ORT
Saal des Kastellans, Raum Nr. 13
Pichet (reconstitution)
XIIIe siècle
Céramique
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/4182
Fragments de pichet
XIIIe siècle
Céramique
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/0064 ab, PM/0065 ab, PM/0066, PM/0076
Gobelets à pastilles
XIIIe-XIVe siècles
Verre
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/1251 ab, PM/1284, PM/1287, PM/1371, PM/1377
Gobelets type « Strangenglas »
XIVe-XVe siècles
Verre
Musée cantonale d’archéologie et d’histoire, Lausanne
PM/1142, PM/1282
Monument patrimonial d’exception, le château de Chillon expose près de trois cents objets sur son parcours de visite. Découvrez une partie de ces collections dans notre nouvelle série d’articles.
Afin de développer vos connaissances sur le monument et ses objets historiques, nous vous invitons à répondre à notre quiz.
Dans la salle dite Pierre II se trouve une vitrine d’exposition contenant un magnifique objet d’art : un anneau serti d’un saphir gravé.