Nur vier Gemälde und Stiche zieren den Besuchsrundgang durch das Schloss, daneben sind zahlreiche Fresken und Wandmalereien zu sehen. Mehrere Räume enthalten Graffitis und Kohlezeichnungen, wie beispielsweise das Gefängnis, wo die ältesten Zeitzeugnisse aus dem 13. Jahrhundert stammen.
Sous la direction de Daniel DE RAEMY, Chillon : la chapelle, Lausanne : Association du Château de Chillon, 1999.
Sous responsabilité de Denis BERTHOLET, Olivier FEIHL et Claire Huguenin, Autour de Chillon : archéologie et restauration au début du siècle, Ecublens : DIP SA, 1998
Diese Karte hängt an der Nordwand des Berner Schlafzimmers (Raum Nr. 16). Sie zeigt das Waadtland im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts, unter der Herrschaft der Eidgenossen der Stadt Bern, mit relativ hoher Präzision.

ORT
Berner Zimmer, Raum Nr. 16
Carte du Pays de Vaud (facsimilé)
1930
Héliogravure
Musée cantonal d’archéologie et d’histoire (Lausanne)
IC-19
François Bonivard (1493-1570) stammte aus dem savoyischen Kleinadel und amtete ab 1514 als Probst im Kloster Saint Victor in Genf. Schon bald schloss er sich den Gegnern des Herzogen von Savoyen an, der ein Auge auf die Stadt Genf geworfen hatte. Dies führte zur Verhaftung Bonivards und zu seiner Gefangenschaft in Chillon ab 1530. Sechs Jahre später wurde er von der Berner Armee befreit, die das Waadtland einnahm. 1816 machte der Dichter Lord Byron in seinem berühmten Gedicht „Der Gefangene von Chillon“ Bonivard zu einem romantischen Helden.
Dieses Diptychon, das die Gefangenschaft Bonivards in Chillon zeigt, stammt vom Genfer Maler Joseph Hornung (1792-1870). Der Autodidakt, der sich durch eine starke Nostalgie nach dem 16. Jahrhundert auszeichnete, ist bekannt für seine historischen Gemälde, die sich hauptsächlich mit Savoyen und der Reformation befassen.
Die beiden Gemälde sind auch unter Fachpersonen wenig bekannt. Sogar die Erben Hornungs wussten nicht, wann sie entstanden sind, und einige kannten nicht einmal ihre Existenz. Sie gehen vermutlich auf einen Malereiwettbewerb zurück, den die Genfer Société des Arts 1824 veranstaltete: Die Maler Georges Chaix und Jean-Léonard Lugardon massen sich damals mit ihren jeweiligen Gemälden, auf denen die Befreiung Bonivards durch die Berner Armee zu sehen war. Dieser wichtige Kunstanlass prägte Hornung nachhaltig. 1845 malte er auch ein „Selbstporträt mit dem Gesicht Bonivards“. Das Diptychon stammt also vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Das erste Gemälde zeigt, wie der Gefangene von der Tochter des Kerkermeisters getröstet wird, während das zweite die Befreiung Bonivards durch die Berner aufnimmt. Hornung schenkte architektonischen Details wie beispielsweise dem berühmten Kreuzrippengewölbe des Schlossgefängnisses besondere Aufmerksamkeit. Dies lässt darauf schliessen, dass er den Ort mit eigenen Augen gesehen hat.
Der Stil der Gemälde rückt sie in die Nähe der holländischen Malerei, insbesondere die Verwendung von Hell und Dunkel sowie der Kontrast der leuchtenden Farben mit ihrem dunklen Hintergrund. Die Komposition erinnert jedoch an die französische Romantik des Beginns des 19. Jahrhunderts; die Figuren zeichnen sich durch äussert expressive Bewegungen aus.


ORT
Gefängnis, Raum Nr. 9
Joseph Hornung
Épisodes de la captivité de François Bonivard à Chillon
1824-1845
Huile sur toile
Mitte des 14. Jahrhunderts beschloss Graf Aymon, die Camera domini neu zu gestalten. Das Schlafzimmer der Grafen und späteren Herzöge von Savoyen wurde also mit figurativen Wandmalereien geschmückt. Im Jahr 1587 malte der Berner Andreas Stoss neue Bilder über das mittelalterliche Dekor. Die im 20. Jahrhundert mehrfach restaurierten Malereien über dem Kamin tragen die Spuren diese Veränderungen.

©Fondation du Château de Chillon / © ARCHEOTECH SA
ORT
Camera domini, Raum Nr. 19
Das kleine Zimmer inmitten der herrschaftlichen Gemächer (Raum Nr. 20) enthält den ältesten Kamin des Schlosses, der im Jahr 1336 errichtet wurde. Er befindet sich gleich neben einem noch älteren Mauerstück, das zu grossen Teilen von mittelalterlichen Graffiti bedeckt ist. Die Zeichnung des „Savoyischen Ritters“ wurde mit sicherer Hand auf Brusthöhe in die südliche Mauer eingeritzt.
Die sehr präzise Ausführung des Graffitis erlaubt es, den vollständig bewaffneten Ritter auf seinem sich aufbäumenden Pferd genau zu erkennen: Er trägt einen Helm, einen Harnisch, der von einem Kettenhemd bedeckt ist, Beinschienen und Eisenschuhe, die mit Sporen bestückt sind. Die rechte Hand umfasst fest eine Lanze, während ein Schild seine linke Schulter schützt.
Sein Pferd trägt eine ausgearbeitete Rüstung. Das Tuch, das sie bedeckt, zeigt das Wappen von Savoyen – ein weisses Kreuz auf rotem Grund. Die Grafen und später Herzogen von Savoyen sind von mindestens 1150 bis 1536 die Herren von Chillon.

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Kleiner Salon, Raum Nr. 20
Graffiti dit du « chevalier savoyard »
1300-1325
Incision sur enduit
Zwischen 1897 und 1899 fand der Archäologe Albert Naef im Gefängnis von Chillon Schiessscharten, die im 14. Jahrhundert zugemauert worden waren, und öffnete sie wieder. Auf der weissen Tünche rund um die siebte Scharte entdeckt er dabei sogenannte „Weihekreuze“. Diese Motive wurden zum Zeitpunkt ihrer Weihung auf die Wände, Säulen oder Pfeiler von Kirchen gemalt, um sie heilig zu machen und Gott zu widmen.
In den Rechnungsbüchern von Chillon findet Naef Hinweise darauf, dass eine der Schiessscharten 1388 zugemauert wurde und datiert somit die Kreuze ebenfalls auf das 14. Jahrhundert. Ohne abschliessende Sicherheit bringt er sie mit zwei Ereignissen in Verbindung, die zu dieser Zeit im Schloss stattfanden. Einerseits das Massaker an Juden, die während der Pestepidemie im Jahr 1348 in Villeneuve beschuldigt wurden, die Brunnen vergiftet zu haben. Vierzig der in Chillon gefangenen jüdischen Männer, Frauen und Kinder wurden von der Bevölkerung aus dem Gefängnis geholt, geschlagen und schliesslich ohne jeglichen Prozess auf mehreren Scheiterhaufen am Seeufer verbrannt. Beim zweiten Ereignis handelt es sich um die Suche nach einem Basilisken, einem für seinen giftigen Atem und versteinernden Blick gefürchteten Monster, im Jahr 1379. Quellen besagen, dass er in der „crota“, Loch oder Keller im alten lokalen Dialekt, gesucht wurde. Wo sich diese „crota“ befand, ist unter Archäologinnen und Archäologen umstritten. Naef nahm an, sie befinde sich in einem der Wachtürme auf der anderen Seite des Schlosses. Egal, um welches Ereignis es sich damals handelte: Die Weihekreuze dienten der Reinigung des Gefängnisses.

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Gefängnis, Raum Nr. 9
Diese Malerei befindet sich über dem Eingang des Wappensaals (Raum Nr. 18). Sie wurde vom Berner Landvogt – Statthalters – Hans Wilhelm von Mühlinen in Auftrag gegeben und zeigt die Rechte, welche die Bürger von Bern innerhalb des Heiligen Römischen Reichs genossen, zu dem die Stadt im 16. Jahrhundert gehörte.

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Wappensaal, Raum Nr. 18
Andreas Stoss
Peinture murale du Bern Reich
1586
Peinture polychrome
Der berühmte französische Schriftsteller Victor Hugo veröffentlichte 1842 eine Sammlung seiner Reisetagebücher mit dem Titel „Le Rhin“, in der er eine Zeichnung beschrieb, die er 1839 bei seinem Besuch im Gefängnis von Schloss Chillon sah. Er schrieb sie Michel Cotié, einem Weggefährten des politischen Gefangenen François Bonivard zu Beginn des 16. Jahrhunderts, zu: „Von ihm bleibt nichts übrig [Cotié] ausser ein Kohlezeichnungen an der Wand. Es sind halbfertige Figuren, doch ein gewisser Stil ist erkennbar; ein fast verblasster Christus am Kreuz, eine kniende Heilige mit einer Legende in gotischen Buchstaben um den Kopf, ein Heiliger Christophorus [….] und ein Heiliger Josef.“
Diese Kreuzigungsszene aus dem 15. Jahrhundert befindet sich an der Südwand des Gefängnisses in einem kleinen geschlossenen Raum. Der sogenannte „Croton“ diente im Mittelalter als Kapelle für die Gefangenen und ist ab 1386 in handschriftlichen Quellen belegt.
In der Mitte der Zeichnung ist Christus am Kreuz zu sehen, umgeben von der Heiligen Jungfrau und dem Heiligen Johannes. Rechts von Maria befindet sich die Heilige Katharina, während Johannes von dem Heiligen Christophorus, der den kleinen Jesus trägt, und dem Heiligen Antonius, dem Einsiedler, begleitet wird. Amulette mit Attributen und Namen ermöglichen es, sie alle zu identifizieren.

Dessin de la Crucifixion
XVe siècle
Craie grasse noire
ORT
Gefängnis, Raum Nr. 9
Während der Restaurierungsarbeiten von 1914 bis 1916 beschlossen der Archäologe Albert Naef und der Maler Ernest Correvon, die Malereien an der Westwand der Schlosskapelle zu erneuern. Die mittelalterliche Farbe war beinahe verschwunden, also entschieden sich die beiden aufgrund eines eher schwachen Indizes für eine Darstellung des Jüngsten Gerichts.
Die Malereien aus dem 14. Jahrhundert haben Jesus Christus als Mittelpunkt. Die Fresken an der Decke zeigen Figuren aus dem Alten Testament – die irdische Abstammung Christi – oder Propheten, die sein Kommen ankündigen. Den Abschluss bildet Johannes der Täufer, der den Übergang ins Neue Testament einleitet. An der Ostwand ist die Verkündigung Marias zu sehen. Die nach Norden und nach Süden ausgerichteten Wände waren mit Szenen aus dem Neuen Testament geschmückt, die grösstenteils übermalt worden sind.

ORT
Kapelle, Raum Nr. 24
Ernest Correvon
Peintures de la paroi occidentale de la chapelle : le Jugement Dernier
1914-1916
Peinture polychrome